Wenn man sich das so richtig überlegt, dann war das allerhand.
 

 
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Das Ehrenamt an BS und TI
 
 
 


BS-Direktor Roland Lentz zur Festversammlung:

Werte Eltern,
Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
Sehr geehrte Ehrengäste,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Es ist mir eine besondere Ehre, Sie alle recht herzlich zur diesjährigen Abschlussfeier zu begrüßen.

Liebe Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen ! Ihr schlagt heute mit diesem Festakt die letzte Seite eines wichtigen Kapitels Eures Lebensbuches um. Im Anschluss an diese Feier erhaltet Ihr eine Reihe von wichtigen Dokumenten, euer Zeugnis, euer Diplom, aber ebenso wichtig sind die Glückwünsche all derer, die heute euretwegen hergekommen sind, um eure Freude über das Erreichen dieses wichtigen Etappenzieles zu teilen.

Da sind in erster Linie Eure Eltern. Sie haben Euch heute gerne begleitet, um diese Feierstunde mit Euch zu erleben, und ich bin überzeugt, dass Sie, liebe Eltern, sehr stolz sind auf Ihre Sprösslinge. Und das dürfen Sie auch sein, denn Ihr, liebe Studienabgänger, habt bis zum heutigen Tage so manchen Kraftakt vollzogen, habt Euch durch die eine oder andere Enttäuschung durchgebissen, um letztendlich dieses ersehnte Ziel zu erreichen.

Ihr dürft jetzt ruhig einmal tief durchatmen und ein wenig feiern, bevor Ihr Euch auf das nächste Ziel konzentriert.
Aber Ihr solltet diese Gelegenheit auch nutzen, Euren Eltern zu danken, denn sie haben euch vertraut, haben all die Jahre mit Euch gelitten, gezittert und gekämpft.

Liebe Eltern, auch wir, die Ihre Kinder ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten durften, möchten Ihnen für das Vertrauen danken, das Sie immer wieder in uns gesetzt haben. Wir haben uns bemüht, Ihren Töchtern und Söhnen etwas Rüstzeug fürs Leben mitzugeben, und wir hoffen, dass unsere Bemühungen  ihre Früchte tragen werden.

Lassen Sie mich zu dem gemeinsam zurückgelegten Weg in den letzten sechs Jahren Heinz Erhardt zitieren :

Wir hatten manchen Weg zurückgelegt,
wir alle, Hand in Hand.
Wir schufteten und schufen unentwegt
und bauten nie auf Sand.
Wir meisterten sofort, was uns erregt,
mit Herz und mit Verstand.
Wenn man sich das so richtig überlegt,
dann war das allerhand.

Liebe Schülerinnen und Schüler !
Schon morgen werdet Ihr das nächste Kapitel eures Lebensbuches aufschlagen. Ihr werdet jetzt in verstärktem Maße eigene Wege gehen und dennoch - glaubt es mir - auch hier werdet ihr sehr noch oft auf Wegweiser angewiesen sein.

Neue, andere Herausforderungen kommen auf Euch zu, andere spannende Aufgaben werdet Ihr lösen müssen und andere, hoffentlich zufrieden stellende Resultate werdet Ihr erreichen.
Was auch immer Euch in nächster Zukunft erwarten wird, ich bin sicher, dass das nächste Kapitel spannend zu lesen sein wird.
Wir alle hoffen, dass wir Euch zur Selbstständigkeit erzogen haben, dass Durchhaltevermögen, Elan, Energie und Teamfähigkeit für euch zu  Schlüsselfertigkeiten geworden sind. Wir alle hoffen, dass euer weiterer Werdegang von Erfolg gekrönt sein wird.

Aber wir haben auch versucht, Euch zu vermitteln, dass all diese  Qualifikationen nicht zu einer Ellenbogengesellschaft führen dürfen, NEIN, der Weg zum Erfolg darf nicht auf Kosten anderer gegangen werden, Ihr müsst auch weiterhin menschlich, gerecht und fair bleiben.

Ihr könntet versucht sein, das neue Lebenskapitel unter den Titel  „AB IN DIE FREIHEIT !“ zu stellen.
Dieser Titel klingt in der Tat spannend und es lohnt sich vielleicht, etwas genauer über diesen Begriff nachzudenken:

„Ab in die Freiheit“: das bedeutet natürlich zunächst mal eine „Freiheit von etwas“; von etwas, an das man gebunden war, das einen unfrei gemacht hat. Das war in Eurem Fall die Schule: morgens früh aufstehen, in der Schule mitarbeiten, Hausaufgaben machen, für Arbeiten lernen, den Anforderungen der Lehrer gerecht zu werden und noch so Einiges mehr. Dies waren bestimmt nicht immer ganz freiwillige Tätigkeiten; ihr wurdet mehr oder weniger dazu gezwungen.

Dieser Zwang fällt jetzt weg: „Ab in die Freiheit“.
Aber was ist, was bedeutet diese Freiheit, in die Euch die Schule jetzt
entlässt? Ist damit eine völlige Freiheit gemeint? Wo man an nichts mehr gebunden ist, wo man völlig frei, schwerelos durchs Leben gleitet, ohne jegliche Bindung?
Hier zeigt sich sehr deutlich die Doppeldeutigkeit des Begriffes „Freiheit“:
Wer sich einfach nur treiben lässt, der tun und lassen kann, was, wie und wann es ihm gerade Spaß macht, der bloß seine Leidenschaften befriedigt, erweist sich bei genauerem Hinsehen gerade als wirklich unfrei.

Man kann das vielleicht ganz gut an einem Bild verdeutlichen:
Das Schiff, das den Fluss hinunter treibt, ist sicherlich frei. Aber es ist so frei, dass es den Strömungen und Wirbeln des Flusses blind unterworfen ist. Und damit ist es eigentlich unfrei: das Schiff ist nur ein Spielball der Wellen.

Man sollte also nicht nur von einer Freiheit VON etwas sprechen, sondern man muss auch von einer Freiheit ZU etwas sprechen, nämlich von einer Freiheit, etwas zu tun, zu handeln. Und diese Seite der Freiheit birgt in sich eine große Verantwortung.
Es heißt gut zu überlegen, wozu man seine Freiheit nutzen will. Was will man im Leben erreichen? Ziele müssen gesteckt werden ! Und um diese Ziele zu erreichen, muss man Einsatz zeigen.
Hat dies noch etwas mit Freiheit zu tun? Ich glaube ja, denn bei genauerem Hinsehen erweist sich eigentlich hier erst die wahre Freiheit: Man unterwirft sich nämlich hierbei völlig freiwillig selbst gesetzten Zielen.
Wahre Freiheit zeigt sich also erst da, wo man souverän über sich und sein Leben verfügt, sich selbst bestimmt. Um noch mal das Bild vom Schiff auf dem Fluss zu bemühen: Erst, wenn man als Kapitän am Steuer des Schiffes steht und das Schiff dahin steuert, wo man es hin haben will, vielleicht sogar gegen die Strömung, ist man frei.

In diesem Sinn wünsche ich euch, dass ihr eure neu gewonnene Freiheit besonnen und in Verantwortung nutzt; ich wünsche euch die richtigen Entscheidungen, die euch ein selbst bestimmtes und zufriedenes Leben ermöglichen – auch wenn das, nicht zuletzt mit Blick auf die derzeitige Arbeitsmarktsituation, mit Sicherheit oft sehr schwer sein wird.
Ich wünsche Euch auch gute Freunde, die Euch helfen, das Schiff bei stürmischem Wetter zu steuern. Und ich wünsche Euch, dankbar zu sein, diesen Weg in die neue Freiheit gehen zu dürfen. Kurzum: ab in die Freiheit!

Erlauben Sie mir, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Schülerinnen und Schüler, noch ein Dankeswort in eigener Sache los zu werden. Auch für mich war dieses Jahr eine neue Herausforderung: Ich habe ein Schiff übernommen, das jahre- und jahrzehntelang von guten Kapitänen und begeisterten Mannschaften sicher durch die Fluten der Zeit gesteuert worden ist.

Ich habe mich bemüht, dieser Aufgabe so gut es ging gerecht zu werden, und nun möchte ich nach einem Jahr die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, allen recht herzlich zu danken, die mir in der Erfüllung dieser Aufgabe in irgendeiner Form beigestanden haben.
Ich darf Ihnen versichern, dass es Spaß macht mit dieser tollen Mannschaft zu arbeiten und zu dieser Mannschaft habt auch Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, dazugehört.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!


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