BS-Gymnasium TI Technisches Institut Abendschule Teilzeitunterricht Internat
 
 

 

Das Ehrenamt an BS und TI
 

Projektvorstellung 2. Berufliche

 

I. WESHALB GIBT ES EINE DIFFERENZIERTE STUFE AN DER BISCHÖFLICHEN SCHULE?

  1. Wie kamen wir auf die Idee, ein solches Projekt auszuarbeiten?

In einer Publikation der König-Baudouin-Stiftung aus dem Jahre 1993 wurde die Forderung gestellt, anders auf die heterogene Zusammensetzung einer Klasse in der 1. Stufe der Sekundarstufe einzugehen ( „Da die Schüler ... keine homogene Gruppe bilden, müssen Heterogenität und Verschiedenartigkeit in den pädagogischen Ansatz einbezogen werden.“ ) Das vorliegende Projekt, auf diesem Problemhintergrund zentriert, nahm bereits im Jahre 1984 seinen Anfang. Als Lehrer der allgemeinbildenden Fächer (jede Lehrperson unterrichtet die Fächer Deutsch, Rechnen, Französisch und Sachkunde in seiner Gruppe) eines 1. Anpassungsjahres (1B) und einer 2. Beruflichen Klasse (2B) arbeiten wir seit Jahren zusammen. Unsere Arbeitsweise ist geprägt von der Suche nach geeigneten Wegen, um die uns anvertrauten Schüler pädagogisch immer etwas effizienter betreuen zu können. Die in diesem Projekt vorgestellte Arbeitsweise ist die Bilanz einer Unterrichtskonzeption, die sich durch die Dynamik unseres Lehrerteams ständig weiterentwickelt. Im Jahre 1978 fanden einige Junglehrpersonen in den sogenannten B-Klassen eine Anstellung als Fachlehrer. Nach einigen Jahren stellten wir fest, dass sich totaler Frust bei uns einstellte. Die Schüler wurden sehr negativ eingestuft, abfällige Bemerkungen über deren Leistungen waren an der Tagesordnung. Ein Gedanke machte bei uns die Runde: „In diesen Klassen möchte ich meine Karriere als Lehrer nicht beenden!“ Zu viele Probleme schienen einfach unlösbar. Die Disziplin im Klassenraum, die Motivation und das Arbeitsverhalten der Schüler sowie deren unterschiedliche Niveaus stellten eine so große Herausforderung an den einzelnen Fachlehrer, dass dieser sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlte.

      2. Was tun?

Der Versuch, fachbezogene homogene Gruppen zu bilden (1 Gruppe mit starken und 1 Gruppe mit schwachen Schülern ) brachte nicht den erhofften Erfolg. - Als 1984 ein größerer Raum frei wurde, nutzten wir die Gelegenheit, den Traum vom eigenen Klassenraum zu verwirklichen. Aber hieß das nicht auch, dass man den ganzen Tag in diesem Raum unterrichten sollte? Es war ja dein Raum und der Raum deiner Schüler. War es da nicht logisch, dass wir wenigstens für die Allgemeinfächer das Fachlehrersystem abschafften? Wenn man schon seinen eigenen Klassenraum hat, dann kann man ja auch die Klasse wie eine Primarschulklasse organisieren, oder nicht? Wir waren damals der Meinung, es sei besser, in einer Gruppe alle Allgemeinfächer zu unterrichten, als in mehreren Gruppen „Fachlehrer für..“ zu sein. Wir erkannten, dass es nicht möglich ist, in einer „Restregel-schule“ homogene Gruppen zu bilden. Egal wie man die Gruppen auch bildete, es entstanden immer heterogene Gruppen. Und wie läuft es heute?

    3. Unsere Schüler - Restschüler oder individuell-spezifisch Lernfähige?

Unsere Schüler kommen zum größten Teil aus Regelprimarschulen und teilweise auch aus Sonderschulen. In unseren Klassen treffen sich Schüler aus verschiedenen Euregionen; die meisten wohnen in der DG. Vielfach entstammen sie einem sozio-kulturell defavorisierten Milieu. Schulleistungsmäßig (einschließlich im Arbeits- und Sozialverhalten) weisen sie durchweg punktuelle oder gar umfängliche Lücken und sehr unterschiedliche Niveaus auf. Die meisten haben am Ende ihrer Primarschulzeit kein Abschlußzeugnis erhalten. Unsere Schüler sind zwar durchweg Schulversager, aber keine Lernversager. Sie wollen und können einzeln und gemeinsam viel Anspruchsvolles lernen, allerdings auf der Grundlage ihrer Möglichkeiten und im Hinblick auf Ziele, die für sie erreichbar und mit Sinn, Interesse und Bedeutung gefüllt sind. Für uns sind sie individuell-spezifisch Lernfähige. - Welches unterrichtliche Konzept setzen wir Lehrpersonen ein, um dem obersten Ziel von Schule, nämlich guten Unterricht für alle, immer etwas besser entsprechen zu können, und das ausgehend von der o.e. extremen Verschiedenartigkeit unserer Schülerschaft (Heterogenität)?

    4. Unser Konzept der Inneren Differenzierung  Innere Differenzierung stellt ein bewährtes Konzept dar, um die Komplexität extrem heterogener Schülergruppen in Richtung Effizienz umzusetzen. Wir bezeichnen Innere Differenzierung als pädagogische Maßnahmen, die dazu dienen, den Unterricht für heterogene Gruppen so zu organisieren, dass jeder Einzelne, ob schwach oder stark, ausgehend von seinen individuellen Möglichkeiten in seinem Lernen gefordert und gefördert wird und so zu seinem Recht kommt (Chancengerechtigkeit) d.h. viel und gut dazulernen kann. Jeder Schüler lernt und arbeitet in einer stabilen räumlichen Umgebung, in einer stabilen Gruppe (max. 12 Schüler), in der die Gemeinschaft erhalten bleibt und es nicht zu einer Ghettoisierung bzw. Stigmatisierung des lernschwachen Schülers kommt. Schüler haben somit jeden Tag die Möglichkeit, Solidarität zu erfahren und zu verwirklichen. Innere Differenzierung zielt also u.a. darauf, daß jeder Schüler sein Selbstvertrauen stärken und sich an das Lernniveau heranarbeiten kann, das es ihm ermöglicht, eine Ausbildung in einer Ganztagsschule (berufliche Abteilung bis zum 4. oder 7. Jahr), im Rahmen eines Lehrvertrages oder innerhalb des Teilzeitunterrichtes erfolgreich abzuschließen.

    5. Innere Differenzierung im Klartext:

  • Teamarbeit auf Planungsebene (Anlage Stundenplan und Planungsstunde)
  • Stabile Lerngruppen - stabile Umgebung - stabile Leitung.
  • Einheit von Lernzielorientierung und Bewertung (Anlage Lernzielliste)
  • Wochenplanarbeit (Anlage Mindestsollliste)
  • Schulspezifische Lernarrengements

II. WIE SIEHT DIE TÄGLICHE ARBEIT IN DER DIFFERENZIERTEN STUFE FÜR DE LEHRER AUS?

 1. Blockstunden und „Stammgruppen“: die verschiedenen Unterrichtsstunden im Bereich „Allgemeinkunde“ sind in so genannte Blockstunden und „Stammgruppen“ unterteilt. Während der Blockstunden haben die Schüler die Gelegenheit gewisse Themenbereiche des Wochenplans oder des Mindestsolls gemeinsam mit dem Lehrer aufzuarbeiten. Diese „Gemeinschaftsstunden“ werden darüber hinaus auch oft für die Bearbeitung von Sachkundethemen genutzt; Experimente, Video-Sequenzen, gemeinsame Lektüre, uvam. stehen in diesen Stunden auf dem Programm. Ferner haben die Schüler in diesen Stunden die Gelegenheit, Lernziele aufzuarbeiten, beziehungsweise die entsprechenden Kontrolltests zu absolvieren. Auch in diesem Bereich ist vom Lehrer absolute Vielseitigkeit gefordert, die er nur durch entsprechendes Material erreichen kann. Die „kleinen Gruppenstunden“, in denen ein Teil der Klasse zum Französischunterricht muss, werden derweil zur individuellen Betreuung der Schüler genutzt. Hier kann der Schüler Zusatzerklärungen zu den verschiedenen Themenbereichen erhalten, sowie Zusatzübungen zur Vertiefung des Unterrichtsstoffes erhalten. Auch in diesem Bereich ist die „punktuelle Reaktion“ durch die Lehrperson unabdingbar, da verschiedene Zusatzerklärungen, beziehungsweise Themenbereiche nur unschwer vorausschaubar sind. Um diese Objektive der Differenzierung zu realisieren, ist neben der Bereitschaft des Lehrkörpers die Disponibilität des geeigneten Unterrichtsmaterials unabdingbbar, um stets punktuell zu agieren und zur reagieren. Eine solche Arbeitsweise kann daher nur in und mit einer geeigneten Infrastruktur verwirklicht werden. Aus diesem Grund streben wir eine Vernetzung unserer Klassenräume mittels leistungsfähigen Computern an, so dass wir jederzeit, ohne den Klassenverband zu stören, auf unsere im Team erarbeiteten Arbeits- und Testblätter zurückgreifen können. Der Lehrer kann durch diese Methode noch mehr zur Bezugsperson für den Schüler innerhalb der Klasse avancieren, was die Begleitung hin zum absoluten „Selbstmanagement“ des Schülers erleichtert und zudem auch nachweislich beschleunigt.

2. Wie sieht nun die tägliche Arbeit des Schülers aus? Der Schüler erhält eine so genannte Mindestsollliste, die die Schlagzahl vorgibt, um die gesamte Lernzielliste innerhalb eines Schuljahres zu erledigen. Außerdem besteht ein so genannter Wochenplan, der als „Wochen-Unterteilung“ dieser Mindestsollliste verstanden werden kann. Der Schüler hat für die jeweiligen Unterrichtsfächer Materialien, die an diverse Zielsetzungen in Form von Arbeitsblättern und Tests geknüpft sind. Mit dieser „ständigen Wiederholung“ der verschiedenen Arbeitsthemen wird die pädagogische Nachhaltigkeit realisiert, was für den Schüler einen enormen mnemotechnischen Mehrwert beinhaltet.

Aufgrund der Tatsache, dass die Stammgruppen in der „beruflichen Abteilung“ äußerst heterogener Art sind, sind die Anforderungen an den Lehrer, die Schüler mit entsprechendem „Material“ zu versorgen, entsprechend hoch.

Jeder Schüler bekommt je nach Fähigkeiten sein spezielles „Arbeitsmenü“, so dass oftmals gezielt innerhalb der Klasse nach pädagogischen Strategien Ausschau gehalten werden muss.

III. WESHALB COMPUTERUNTERSTÜTZUNG IN DER DIFFERENZIERTEN STUFE?

Weshalb benötigen wir in der „beruflichen Abteilung“ im Rahmen des Differenzierten Unterrichts überhaupt Computerunterstützung, um unsere pädagogischen Richtlinien und Projekte zu realisieren?

  • Individuelle Arbeitsbedürfnisse: Jeder Schüler in der Differenzierten Stufe kann als „Einzelfall“ bezeichnet werden, dessen Stärken und Schwächen äußerst unterschiedlich einzustufen sind. Um aber jedem Schüler sein spezielles „Arbeitsmenü“ zur Realisierung der angestrebten Lernziele zu bieten, müssen wir als Lehrer gezielt reagieren und den Schüler mit entsprechendem, individuell gehaltenen Material versorgen. In Rechnen erhält jeder Schüler beispielsweise ein völlig individuelles Arbeits-, beziehungsweise Testblatt, das in Excel stets neue Zahlenkombinationen per Zufallsprinzip anbietet. So üben die Schüler ständig nach einem bereits gesehenen Prinzip und Konzept, aber stets mit anderen Zahlen! Auch in Deutsch bestehen neben den Arbeitsblättern individuelle Tests und Nachtests, um die Nachhaltigkeit bei entsprechenden Lernschwierigkeiten zu verstärken... Es ist nicht vorherzusehen, wann ein Schüler welches Arbeits- und Testblatt benötigt. Deshalb müssen die Arbeitsblätter auf Anfrage des Schülers direkt „lieferbar“ sein. 
  • Gezielte Lernunterstützung: Mittels eines leistungsfähigen Rechners ist darüber hinaus eine gezielte Lernunterstützung möglich; Lesetraining, Rechtschreibkurse, Kopfrechnen, ... haben wir bereits seit Jahren gezielt in der Anwendung und die Resultate sind verblüffend und bezeichnend für das von Professor Crahay, dem Pädagogie-Dozenten an der Universität in Lüttich, angestrebte und angeregte Lernkonzept. In Basic geschriebene kleine Lernprogramme, ohne grafische Schnörkel, bringen den Schüler durch Selbstdisziplin zum gewünschten Ziel. So können wir den PC aus dem Schulalltag in der Differenzierten Stufe nicht mehr wegdenken! 
  • Projektarbeiten: Mit einem leistungsfähigen Computer mit entsprechender Vernetzung und Internet-Anbindung sind darüber hinaus interessante und für die Allgemeinbildung wertvolle Projektarbeiten durchzuführen. Als Pädagogen denken wir hier speziell an folgende Themenbereiche, die wir bereits in „kleinem Umfang“ im Schulalltag testen konnten: - ENCARTA: durch dieses Microsoft-Produkt können die Schüler Informationen zu gewissen Ländern, Erdteilen und geologische Strukturen sammeln. Ein abschließender Encarta-Test prüft darüber hinaus die im „Orientieren in der Welt“-Arbeitsheft erlernten geographischen Begriffe. Ferner ist es für die Schüler von enormer visueller und mnemotechnischer Wichtigkeit, die verschiedenen Länder auf einem Globus, beziehungsweise einer Landkarte zu situieren. - INTERNET: sporadische Themenbereiche, die wir als Pädagogen aus der Aktualität beziehen, können von den Schülern in gezielter Internet-Suche dokumentiert und ausgearbeitet werden. Auch hier haben wir eine gewisse positive Erfahrung machen können, da die Schüler nach der Schreckenstat vom 11. September praktisch eigenhändig die Beweggründe und Hintergründe der Terroristen in Erfahrung bringen und darüber hinaus auch Wissenswertes über die jeweiligen betroffenen Länder zusammentragen konnten. Hierbei achten wir als Lehrpersonen jedoch auf die absolute „Überwachung“, da wir diese „Suchaktionen“ nicht als „Freizeit-Surfen“ verstanden wissen wollen. -TEXTVERARBEITUNG: ein dritter und entscheidender Punkt der für den Einsatz des Computers in der Differenzierten Stufe spricht, ist vor allem die Erlernung von gewissen „Fertigkeiten“ rund um den Computer. In jedem Arbeitsbereich kommt der Computer mittlerweile zum Einsatz, so dass auch unsere Schüler, die aufgrund ihrer punktuellen Lernschwierigkeiten oftmals weniger Computervorkenntnisse aufweisen, den Umgang mit der „Maschine der Zukunft“ proben und erlernen können. Daher bieten wir den Schülern als Exkurs auch sporadisch die Arbeit mit einem Textverarbeitungsprogramm an, in dem dann persönliche Berichte geschrieben werden. - ENZYKLOPÄDIEN AUF CD-ROM 

Fazit:

Mittlerweile unterrichten wir durchweg gerne in den B-Klassen. Besonders die Arbeit im Team spornt uns an, immer wieder neue Ideen und Methoden dahingehend zu entwickeln, wie bei jedem Schüler Lernerfolge erreicht werden können. Dieser Teamgeist überträgt sich auf die Schüler; sie merken, dass der Lehrer gerne mit ihnen arbeitet, es entsteht ein positives Arbeitsverhältnis und auch die Rückmeldungen über die Art der Unterrichtsgestaltung sind meist positiv. -Disziplinprobleme treten nicht mehr so massiv auf wie früher. Die Abwesenheitsquote (Schüler und Lehrer) ist im Vergleich zu anderen Schulen eher niedrig. Es gibt in unserem System, und darüber hinaus, offene Themenbereiche, die mittelfristig problematisiert werden sollten: Übergang vom 2. ins 3. Jahr, Weiterbildung auf fachdidaktischer Ebene (bes. Mathematik), Kommunikationstraining für Schüler. Was die Weiterentwicklung der Schüler betrifft, so beenden die allermeisten erfolgreich ihre Ausbildung in der Tagesschule oder als Lehrling und haben eine Arbeitsstelle. Die Misserfolgsrate ist bisher noch sehr gering. Aber was wird die Zukunft für unsere Schüler bereithalten, und dies angesichts der Krise unserer Arbeitsgesellschaften? Diese Frage erfüllt uns mit Sorge.

IV. DIE ARBEIT IN DER 2.B

1. Wie ist der allgemeinbildende Unterricht organisiert? 

  • Zur Zeit betreuen 6 Lehrpersonen ca. 75 Schüler; ein Fachlehrer übernimmt hierbei den Französischunterricht. 
  • Jeder Lehrer betreut hierbei ständig eine Gruppe und unterrichtet in allen Fächern (Deutsch, Rechnen, Sachkunde)

2. Blockstunden 

  • Bei Blockstunden handelt es sich um Unterrichtseinheiten mit der gesamten Gruppe. Diese Stunden werden zum Erläutern von Themen verwendet.

3. Wochenplan-Stunden 

  • Neben den Blockstunden stehen den Schülern eine Anzahl von „Freistunden“, den sogenannten WP-Stunden zur Verfügung, in denen Lernziele überarbeitet und geprüft werden können.

4. Fachkunde-Unterricht 

  • Neben dem allgemeinbildenden Unterricht werden die Schüler ebenfalls in fachspezifische Orientierungen eingewiesen (Holz, Mechanik, Landwirtschaft, Werken,...)

V. WAS ERWARTET DIE SCHÜLER IN ALLGEMEINKUNDE?

1. DEUTSCH:

  • Übungen zu den Schwierigkeiten der Grammatik, der Rechtschreibung und der Stilistik.
  • „Wie arbeite ich gezielt mit einem Nachschlagewerk?“ (Die Arbeit mit einem Wörterbuch) 
  • Lesetexte zur Vertiefung der Lesefähigkeit und des Textverständnisses
  • Nacherzählungen und Wortfamilien-Listen zur Erweiterung des persönlichen Sprachschatzes.
  • Nacherzählungen und Aufsatzlehre
  • Computerprogramme (Wortmix, Diktate, ...) helfen bei der Erlernung.

2. RECHNEN

  • Die Grundrechen-Operationen werden aufgefrischt und neu abgefragt.
  • Brüche, Maße und Einheiten, Dreisatz, Rechnen mit Geschwindigkeiten, Prozente und die elementare Geometrie runden die Palette ab. All dies wird mit einem aufbauenden Schulbuchkonzept, den so genannten "Stützpfeilern" realisiert. 
  • Alle Lernziele werden mittels gleichgeschalteter Übungen geübt und später durch Tests geprüft. 
  • Hinzu kommen noch wöchentliche Grundoperationen, sowie das Schnellrechnen am Computer, was die notwendigen Automatismen trainiert.

3. SACHKUNDE: 

  • Bei der Auswahl der Themen sind die Lehrer auf Originalität und Identifizierung mit der Umwelt bedacht. 
  • Filme, Diskussionsforen, Experimente in der Klasse und neuerdings auch die Hilfe des Internets runden diese Auswertung ab. 
  • Themen während des Schuljahres waren beispielsweise „Die Planeten“, „Belgiens Geschichte“, „Ostbelgien“, „Die Farbe Weiß“, „Die Stoffe“, „Das Thermometer“, „Der Komposthaufen“, „Die menschliche Verdauung“ und „Vom Ei bis zum fertigen Menschen“. Diese Unterrichtsthemen können auch bei aktuellem Anlass gewählt werden (z.B. Hurrikan, Naturkatastrophen, Terror in der Welt, ...)
  • Zudem achten wir gezielt auf den Umgang mit Nachschlagewerken. So trainieren die Schüler mit dem Arbeitsbuch „Orientieren in der Welt“ die Arbeit mit einem Weltatlas. 
  • Ein abschließender Quiz-Test „Encarta “ rundet diese Unterrichtseinheit ab.

VI. DIE BEWERTUNG

1. Lernziellisten 

  • Am Anfang des Jahres bekommt ein jeder Schüler eine Lernzielliste mit den „zu erreichenden Teilzielen“ während des Schuljahres. 
  • Diese Lernzielliste muss bis zum Schulende „abgearbeitet“ sein. Übungen und Tests müssen so lange verbessert, vorbereitet und nachgearbeitet werden, bis sie der Lehrer als „bestanden“ erklärt.

2. Rot und Grün 

  • Ähnlich des Ampelprinzips funktioniert auch unser Schulkonzept: Grün bedeutet okay, während rot eine Nachbearbeitung verlangt. 
  • Diese Lernziele basieren auf die Minimalkenntnisse, die ein Schüler zum Beginn einer Lehre (die ja nach bestandenem 2. Jahr im Alter von 15 Jahren möglich ist) benötigt. Hier besteht ein reger Austausch und ein stetes Feedback mit den Verantwortlichen des ZAWM St.Vith.

3. Der Klassenrat und seine Folgen:

  • Dem Klassenrat obliegt in der finalen Instanz der Entscheid ob ein Schüler steigt, oder aber doppeln muss. Hierbei richten sich die Pädagogen prioritär nach den Kriterien der zu erreichenden Lernziele. Somit ist eine Kontinuität in der Ausbildung, sowie eine „Gleichberechtigung“ der Schüler gewährleistet.

4. Die Orientierungsbescheinigungen:

  • MUSTER A: Der Schüler hat alle Lernziele erreicht und steigt ohne Einschränkungen ins 3. Jahr.
  • MUSTER B: Der Schüler hat nicht alle Lernziele erreicht kann aber unter Berücksichtigung gewisser Einschränkungen steigen. Hier kann der Klassenrat auch eine Orientierung zur 3. Übergang als Vorbereitung auf eine Lehre aussprechen.
  • MUSTER C: Der Schüler hat nicht alle Lernziele erreicht und muss das Jahr wiederholen.

VII. UND WAS SAGEN DIE SCHÜLER ZU UNSEREM UNTERRICHTSKONZEPT?

Herzlich Willkommen zu einer Rundreise durch die 2. Beruflichen Klassen des Technischen Institutes. Im ersten Teil erklären wir an Fallbeispielen, welche Schüler in der Regel eine 2.B-Klasse besuchen.

1. Das Profil unserer Schüler 

“Ich bin in der 2.B weil ich nie gut in Rechtschreibung war, wohl ab er im praktischen Bereich.Mich hat die Schule weniger interessiert, eher die Arbeit.” 

“Ich wohne in der Französischsprachigen Gemeinschaft. Dort habe ich das 6. Schuljahr bestanden. Da ich Deutsch lernen möchte, besuche ich eine deutschsprachige Schule. Nach der 1.B habe ich die 2.B “Landwirtschaft” gewählt. Ich beabsichtige nämlich unseren Betrieb zu Hause weiterzuführen.” 

“Ich hatte Probleme in der 1.A.4. Dafür musste ich in eine 1.B gehen. Jetzt bin ich in einer 2.B Landwirtschaft. Ich würde gerne wieder in die A-Klasse gehen. Hier in der 2.B habe ich die Gelegenheit ein Handwerk zu lernen. Mein Ziel ist es, Landwirtschaft zu lernen. Aber ich würde wieder gerne in eine A-Klasse gehen.” 

“Ich bin in der 2.B weil ich die 1.A nicht bestanden habe. Ich hatte 6 Nachprüfungen. Deshalb zog ich es vor, die 2.B zu wählen.” 

“Ich habe das 5. Schuljahr gedoppelt. Da ich aber 12 Jahre alt war, durfte ich in die 1.B. Ich erhielt den Primarschulabschluss, als ich die 1.B bestanden hatte. Jetzt habe ich Mechanik in der 2.B gewählt.” 

“Nach dem 4. Schuljahr ging ich zur Sonderschule nach Elsenborn. Als ich 14 Jahre alt war, kam ich in eine 1.B. Nach der 1.B wählte ich in der 2.B das Grundwahlfach Holz. Wenn ich dieses 2. Jahr schaffe, werde ich mit einer Lehre als Schreiner beginnen.” 

“Ich war bis zu meinem 14. Lebensjahr in der Förderschule in St.Vith. Da habe ich mich entschieden, zur BS zur Schule zu gehen. Ich wollte nicht nach Eupen zur Förderschule. Nach der 1.B habe ich in der 2.B das Grundwahlfach Landwirtschaft gewählt. Ich möchte einen Abschluss in dem Fach Landwirtschaft schaffen.”

2. Der Unterricht aus der Sicht der Schüler 

“Wir sind ca. 50 Schüler in der 2.B, die in insgesamt 4 Gruppen aufgeteilt sind. Wir haben einen Lehrer für die Allgemeinfächer. Wir sind nicht nach Leistungsgruppen aufgeteilt; schwache und starke Schüler gibt es in jeder Gruppe. In jeder Gruppe sind ungefähr 10 Schüler. In meiner Gruppe sind Mitschüler, die das Grundwahlfach Holz gewählt haben. Andere haben Mechanik, und und 2 Schüler aus meiner Gruppe haben Landwirtschaft gewählt.” 

“Wir haben zwar einen Stundenplan, aber wir müssen nicht nach jeder Stunde mit dem Arbeiten aufhören. Wir haben immer 3 Stunden Allgemeinunterricht mit dem einem Lehrer im gleichem Raum. Die einzelnen Grupen haben zum selben Zeitpunkt Allgemeindekundeunterricht.” 

“In der 2.B fällt das Lernen leichter, weil wir Blockstunden haben, daher drei Stunden hintereinander. In der A-Klasse ist dies nicht der Fall. Wenn es schellt, müssen die A-Schüler jedes Mal die Klasse verlassen. Wir in der 2.B können derweil unsere begonnene Arbeit immer beenden.” 

“Wir haben Deutsch, Französisch, Rechnen und Sach-, beziehungsweise Umweltkunde mit demselben Lehrer. Unser Lehrer kennt uns dadurch auch viel besser. Jeder kann nach seinem Tempo arbeiten. Manchmal arbeiten einige Schüler an Deutsch, andere beenden die Matheübungen der 1.Stunde und wieder andere nehmen Lernziele nach. Das geht nur, weil wir 3 Stunden hintereinander mit demselben Lehrer haben.” 

“In der 2.B machen wir jede Woche ein Diktat. Ehe wir das Diktat schreiben, bereiten wir es vor. Wir bekommen zuerst das Diktat als Lückentext. Dann müssen wir eine Groß- und Kleinschreibübung machen.” 

“Mit dem Computerprogramm “Wortmix” kann man auch ein Diktat üben! Wenn man mit “Wortmix” ein Diktat üben will, muss man zuerst den Text fehlerfrei eintippen. Dann zeigt der Computer uns die eingetippten Satzeinheiten. Wenn der Text nicht mehr sichtbar ist, muss ich diese Einheit fehlerfrei nachtippen. Ich kann ein Diktat aber auch mit dem Kassettenrekorder wiederholen. Wenn ich ein Diktat nachholen will, so spreche ich mir das Diktat zuerst auf Band. Anschließend kann ich das Diktat mit der Kassette nachschreiben.” 

“Wir holen Nachrichten auf. Ich übe das Diktat indem ich es von einem Mitschüler diktiert bekomme.” 

“Wenn die Pflichtarbeiten beendet sind, haben wir freie Arbeit. Das Programm “Schnellrechnen” hilft uns das Einmaleins zu trainieren.” 

“Wir haben eine Lernzielliste. Auf diese Lernzielliste tragen wir die Zeichen ROT oder GRÜN ein. GRÜN: wir haben das Lernziel erreicht.  ROT: wir haben das Lernziel nicht erreicht, wir müssen dieses Lernziel also bei Gelegenheit nach erneuter Übung und Vorbereitung nachholen. Wir können Lernziele nachholen wenn “freie Arbeit” organisiert ist. Wenn wir Lernziele nachholen wollen, so müssen wir, es dem Lehrer am Tag vorher sagen - wir melden uns an.”

VIII. DIE ZUKUNFTSAUSSICHTEN FÜR DIE SCHÜLER NACH EINEM ERFOLGREICHEN ABSCHLUSS IN DER 2.B 

  • Wenn der Schüler die 2.B bestanden hat, kann er weiter in den B-Klassen studieren. Nach dem 4. Jahr erhält er die Mittlere Reife und nach dem 6. Jahr das Abschlusszeugnis der Oberstufe, sowie nach dem 7. Jahr das Fachabitur. 
  • Nach der 2.B kann ich eine Lehre anfangen. Ich wähle einen Beruf und suche mir einen Betrieb der mich ausbildet. Ich muss die 2.B bestanden haben und 15 Jahre alt sein, um diese Möglichkeit nutzen zu können. 
  • Vielleicht gehe ich auch zum Teilzeitunterricht. Ich suche mir eine Arbeit in einem Betrieb oder helfe zu Hause in der Landwirtschaft. Dann gehe ich an 2 Tagen zur Schule. In dieser Abteilung erhält man allerdings kein Diplom.

IX. WÜNSCHE UND HOFFNUNGEN: 

Einige Wünsche bleiben noch! Hoffentlich lassen die Sparmaßnahmen, die geplant sind, es noch zu, dass wir weiterhin in Gruppen von 10-12 Schülern arbeiten können. • Auch wäre eine Aufwertung des Französischunterrichtes wichtig. Wir erachten, dass der Fremdsprachenunterricht in der beruflichen Abteilung aus dem allgemeinen Stundenpaket einer differenzierten Stufe ausgeklammert werden muss.

 

 
 
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