Warum haben immer mehr Schüler Misserfolg in der Schule?
Versuch einer Analyse und Vorschläge zur Verbesserung
Ce texte en langue française: ici ...
(R. Roth Schulleiter
des Technischen Institutes in St. Vith)
Es ist leider eine Tatsache, dass
in den letzten Jahren schulische Misserfolge bei den Kindern und Jugendlichen
immer mehr zunehmen, und dies vor allem bei Jungen.Warum nimmt die Lernunlust zu? Warum
will man sich nicht mehr anstrengen? Warum ist Schule Nebensache? Warum.....?
In der folgenden Analyse versuche ich aus meiner Sicht und Erfahrung eine
Antwort auf diese Fragen zu geben.
Der wichtigste Faktor in dieser
Angelegenheit ist meines Erachtens die Familie, denn die Eltern sind die
Ersten, die ihre Kinder beeinflussen. In einer Familie, in der man Zeit hat für
die Kinder, in der man sich um die schulischen Belange der Kinder kümmert, in
der eine geregelte Lebensweise herrscht, in der es Aufgaben und Pflichten gibt
und in der den Kindern Grenzen gesetzt werden, gibt es viel weniger schulische
Probleme als in anderen.
1. Es gibt die verschiedensten
familiären Ursachen für Schulversagen, die ich in den folgenden Abschnitten zu
erklären versuche. Dazu habe ich diesen Problemkindern typische Namen gegeben.
Die Jobkinder
Als Jobkinder bezeichne ich die
Schüler, deren Eltern beide arbeiten gehen und die dann abends nach Feierabend,
keine Zeit haben, um sich um schulische Probleme der Kinder zu kümmern. Es
verlangt keiner, dass die Eltern die Aufgaben der Schüler machen, aber es ist
wichtig, dass die Eltern zuerst einmal kontrollieren, ob die Aufgaben gemacht
werden; aber es ist genau so wichtig, dass man den Kindern hilft, wenn sie
Hilfe brauchen. Dazu zwei Beispiele:
Im ersten Schuljahr ist es
wichtig, dass die Kinder lesen lernen. Wenn der Lehrer jedes Kind 10 Minuten
laut lesen lässt, ist bei einer Klasse von zwanzig Kindern der Vormittag
vorbei. Deshalb ist es nötig, dass man das Lesen zu Hause übt.
Wenn ein Kind ein Gedicht
auswendig lernen muss, so können die Eltern sich ohne weiteres dieses Gedicht
aufsagen lassen, um zu prüfen, ob ihr Kind gelernt hat.
Die Hausaufgaben dienen u.a. auch
dazu, den Eltern einen Überblick zu verschaffen, welchen Kenntnisstand ihr Kind
hat und was in der Schule gelernt wird. Eltern, die keine Hausaufgaben
beobachten, können auch nicht zeitig genug auf schulische Probleme reagieren.
Die Rosenkriegkinder
Rosenkriegkinder sind Kinder aus
geschiedenen Verhältnissen, in denen die Kinder immer gegen den früheren
Partner ausgespielt werden. Ich habe bewusst nicht den Begriff Scheidungskinder
verwendet, da es auch geschiedene Verhältnisse gibt, in denen die früheren
Partner in Erziehungsfragen der Kinder einen gemeinsamen Standpunkt vertreten
und auch einhalten. Ein Kind, dessen Eltern immer entgegengesetzter Meinung
sind, lernt sehr schnell diese Situation zu seinen Gunsten auszunutzen. Leider
gibt es diese Situation auch in nicht getrennten Verhältnissen.
Die Nullbockkinder
Mit diesem Begriff bezeichne ich
Kinder, in deren Elternhaus eine sehr negative Einstellung gegenüber der Schule
herrscht. Diese Kinder nehmen diese Einstellung auch in die Schule mit, was zur
Folge hat, dass sie mit Unwillen und Frust zur Schule kommen. Wenn zu Hause
immer nur die Lehrer mit blöd, faul, unfähig, usw. bezeichnet werden, so ist es
nicht verwunderlich, wenn man gegen solche Menschen einen Widerwillen hegt.
Nullbockkinder sind ebenfalls Kinder, denen zu
Hause vorgelebt wird, dass man nach der Arbeit (d.h. für die Kinder nach der
Schule) nichts mehr tun muss. Man setzt sich in den Sessel und schaut fern.
Die Grenzkinder
Dies sind Kinder, denen keine
Grenzen gesetzt wurden. Zu Hause dürfen sie alles machen, z.B. essen und
fernsehen, vom Tisch aufstehen, fernsehen, so lange sie wollen, usw. In der
Schule dagegen gibt es Regeln, an die man sich halten muss, und diesen Kindern
fällt es schwer, sie einzuhalten. Das geht manchmal so weit, dass die Eltern
ihre Kinder unterstützen und gegen die Lehrer arbeiten.
Die Verwöhnkinder
Hiermit bezeichne ich die Kinder,
die zu Hause nie helfen mussten. Sie haben nie gelernt, kleine Aufgaben im Haushalt
oder auch draußen zu übernehmen. Somit wurde von ihnen nie verlangt,
Verantwortung für eine Arbeit zu tragen. Außerdem haben sie nie erfahren, mit
Ausdauer an einer Arbeit zu bleiben, um diese zu beenden. Sie haben auch nie
die Erfahrung gemacht, dass es Arbeiten gibt, die sie zwar nicht gerne machen,
die aber trotzdem erledigt werden müssen.
2. Ein nächster wichtiger Faktor,
der das Lernverhalten und damit Erfolg oder Misserfolg beeinflusst, ist das
Umfeld. Hiermit meine ich alle äußeren Faktoren, die ein Kind beeinflussen und
prägen. Auch diesen Problemkindern habe ich versucht typische Namen zu geben.
Die Hobbykinder
An erster Stelle steht hier die
Freizeitbeschäftigung oder das Hobby des Kindes. Natürlich ist es lobenswert,
wenn ein Kind eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung hat und diese auch
regelmäßig ausübt. Aber wenn die Freizeitbeschäftigung überhand nimmt und mehr
Zeit beansprucht als man eigentlich zur Verfügung hat, dann geht dies auf
Kosten der schulischen Leistung. Genauso ungesund ist es, viele
Freizeitaktivitäten zu haben, so dass für etwas anderes als das Hobby kein
Platz mehr ist. Wenn wir uns die Vielzahl der Freizeitangebote anschauen
(Musikschule, Fußballklub, Turnverein, Schachklub, Jugendgruppe, Schwimmklub,
Musikverein, usw.), ist es schon schwierig eine Auswahl zu treffen. Kinder
können jedoch nicht alles machen, vor allem dann nicht, wenn sie in dem einen
oder anderen Verein auch noch Leistungen erbringen müssen.
Die Fernsehkinder
An zweiter Stelle steht das
Fernsehen. Für viele Kinder dient von klein auf der Fernseher als Babysitter.
Wahllos werden Sendungen konsumiert, niemand achtet darauf, was und wie lange
etwas geschaut wird. Hat ein Kind erst einen eigenen Fernseher in seinem Zimmer
braucht es überhaupt keine Grenzen mehr zu beachten. Natürlich gibt es auch
gute und lehrreiche Fernsehsendungen, und es wäre sinnvoll, eine wöchentliche
Auswahl zu treffen, die man eventuell gemeinsam mit den Kindern anschaut und
bespricht.
Die Spielkinder
An dritter Stelle steht die Spielleidenschaft
vieler Kinder. Aber anstatt Gesellschaftsspiele zu spielen, amüsieren sie sich
lieber mit Playstation, Computerspielen, Handy, Internet usw. Auch wenn es
viele lehrreiche Spiele gibt, bevorzugen sie Spiele, in denen es gewalttätig
zugeht. Spiele dieser Art gibt es schon für Kleinkinder. Und es wird zu einer
Sucht, immer bessere Resultate zu erzielen und immer neue Spiele zu erproben.
Viele Kinder sind so in ihre Spiele vertieft, dass sie nicht einmal reagieren,
wenn man sie anspricht.
Die Cliquenkinder
Nicht zu unterschätzen ist der
Einfluss der Freunde. Wenn ich mich in meiner Clique behaupten muss und dies
anhand von negativen Herausforderungen, so ist dies bestimmt nicht förderlich
für eine gesunde Entwicklung. Sehr oft wird eine Mutprobe verlangt, die zum
einen kriminell (Warenhausdiebstahl)und
zum anderen gefährlich ist.
Die Amüsementkinder
Das Leben muss Spaß machen, man
muss alles mitnehmen, was man mitbekommt. Nach diesem Motto leben heute viele
Menschen. Deshalb wird jedes Wochenende ausgenutzt, um mit Kind und Kegel dem
Alltagstrott zu entfliehen. Man besucht jede Veranstaltung, in der näheren
Umgebung kennt man jedes Ausflugsziel und im weiteren Umkreis jeden
Vergnügungspark. Diese Kinder haben nie gelernt, auf etwas zu verzichten oder
sich einfach zu beschäftigen. Alles, was man tut, muss Spaß machen.
3. Der dritte Faktor ist die
Schule selbst. Auch hier gibt es genügend Ansatzpunkte, die einen negativen
Einfluss auf die schulische Weiterentwicklung haben. Nicht alle Schuld an
Schulversagen müssen wir außerhalb der Schule suchen. Einen Teil müssen wir
auch der Schule zurechnen, denn auch hier gibt es Fehlverhalten und Missstände.
Hauptagent in der Schule ist der
Lehrer. Zum großen Teil liegt es an ihm,
ob ein Schüler sich in der Schule wohlfühlt oder nicht. In dieser Hinsicht hat
ein Lehrer sehr viele Aufgaben zu bewältigen: Er muss unterrichten, er muss
motivieren, er muss anspornen, er muss zuhören, er muss Konflikte lösen, er
muss gerecht sein, er muss verschiedene Lehrmethoden beherrschen, er muss
.......... All diese Qualitäten erlangt man nicht in der Ausbildung und man
braucht Jahre, ehe man diese Lehrfähigkeiten auch nur annähernd erreicht.
Deshalb ist es wichtig, dass ein Lehrer motiviert ist; ein lustloser Lehrer kann
seine Schüler nämlich nicht begeistern. Zudem muss er einen festen Rahmen für
seinen Unterricht haben und konsequent sein Ziel verfolgen. Schwammige
Programme sind dabei keine Hilfe.
Ein nicht zu unterschätzender
Faktor in der Schule ist die Klassengröße. Gerade in den ersten Jahren
(Kindergarten sowie 1. und 2. Schuljahr) ist es wichtig, dass der Lehrer Zeit
hat, sich um alle Kinder zu kümmern. Jedes Kind soll spüren, dass der Lehrer es
ernst nimmtund dass der Lehrer ihm
helfen kann, wenn es Schwierigkeiten hat. Bei 20 und mehr Kindern pro Klasse
ist das leider unmöglich. Im späteren schulischen Verlauf ist es wichtig, dass
schwache Schüler gezielt gefördert werden. Auf viele Schüler wirkt es
demotivierend, in einer großen Klasse zu sitzen und immer wieder Negativerfolge
zu haben.
Auch die Ausrüstung einer Schule
kann den Schulfrust verstärken. Wenn man in einer Schule mit alten und kaputten
Bänken sitzt, so ist dies nicht förderlich für den Arbeitseifer. Auch der
Mangel an Lehrmaterialien hemmt die Motivation, sowohl beim Lehrer als auch bei
den Schülern. Auch wenn unsere Schulen nicht nach modernen pädagogischen
Konzepten gebaut sind, so sollte man die Klassenräume trotzdem attraktiv
gestalten, denn die Schüler verbringen ein Drittel des Tages in der Schule.
Außerdem wird die Schulzeit nicht
optimal ausgenutzt. Immer wieder werden außerschulische Aktivitäten
organisiert, die manchmal viel Zeit in Anspruch nehmen, aber dem Lernen nicht
immer dienlich sind.Hauptaufgabe der
Schule sollte sein, einen Grundlehrauftrag zu erfüllen. Außerschulische
Aktivitäten sollten diesen Lehrauftrag dann zusätzlich unterstützen. Da es
heutzutage eine solche Fülle an Angeboten gibt, sollte von vornherein
festgelegt werden, wie viel Zeit man pro Schuljahr in solche Projekte steckt
und ob man ein großes oder mehrer kleine Projekte unternimmt.
Die großen Projekte: Für jede
Schule ist es sicherlich interessant, ein großes Projekt zu organisieren, wie
z.B. Schneeklassen, Seeklassen, Naturklassen, Sporttage, usw. Hier stellen sich
allerdings wichtige Fragen: Hat man für dieses Projekt ein pädagogisches
Konzept erarbeitet? Inwiefern unterstützt es den Lehrauftrag der Schule? Wie
groß ist die finanzielle Belastung? Wie viel Zeit nimmt das gesamte Projekt in
Anspruch (mit Vor- und Nachbearbeitung)?
Die kleineren Projekte: Auch für
diese Projekte sollte man sich die Frage nach dem pädagogischen Konzeptstellen. Sind es schulische Aktivitäten oder
Freizeitaktivitäten? Sind sie eine Flucht vor dem Schulalltag oder fördern sie
den Lerneifer der Schüler? In diese Kategorie Projekte fallen Aktivitäten wie
„gesundes Frühstück“, „Aids-Prävention“,„Zähneputzen“, „Theaterbesuche“, „erste Hilfe“, usw.
Auch den Zeitaufwand für den
Schwimmunterricht sollte man in Frage stellen. Es ist bestimmt wichtig, dass
die Kinder schwimmen lernen, aber wie lange dauert die Hin- und Rückfahrt zum
Schwimmbecken? Für manche Schulen sind das zwei bis drei Stunden. Eine
Alternativlösung wäre, während der Fahrt Unterricht zu erteilen, z.B.
Kopfrechnen, Wortschatzübungen, Konjugationsübungen, usw. Das laute Wiederholen
wäre für alle eine lehrreiche Übung.
4. Mitverantwortung für
schulische Misserfolge und Schulfrust sind auch in der Schulpolitik zu suchen.
Wenn sie schulpolitische Entscheidungen trifft, die von einem Großteil der
Lehrer abgelehnt werden, so demotiviert sie manchen Lehrer, was sich wiederum
negativ auf die Schüler auswirkt. Wenn man aus wirtschaftlichen Gründen, die
zwar verständlich sind, eine Lebensarbeitszeitverlängerung beschließt, so kann
man doch auf der anderen Seite Arbeitserleichterungen schaffen, wie z.B. die
Reduzierung der Klassenstärke.
Doch angesichts der Tatsache,
dass im Augenblick die Zahl der Schüler steigt, die Misserfolge in der Schule
haben, muss die Politik Lösungen suchen und realisieren, um diesen Schülern
trotzdem eine Ausbildung und einen Abschluss anzubieten.
Da die Schule mittlerweile viele
Erziehungsaufgaben der Eltern übernehmen muss, und dies vor allem bei den
jüngeren Schülern, sollte man im Kindergarten und im 1. und 2. Schuljahr die
Klassengröße anpassen. Ideal wären hierGruppen von zwölf Schülern. Auch sollteüberlegt werden, ob der Kindergartenbesuchnicht Pflicht sein sollte. So könnten die
Lehrer neben ihrer schulischen Aufgabe auch erzieherische und soziale Aufgaben
wahrnehmen.
Außerdem wäre es wünschenswert,
in den Volksschulen einen Berater für Eltern (einen im Süden und einen im
Norden) einzusetzen, der bei der Einschulung der Kinder Elternversammlungen
einberuft und die Eltern auf ihre Aufgaben als schulische Miterzieher
vorbereitet. Auch sollte er den Schulleitern und Klassenlehrern mit Rat und Tat
zur Seite stehen. Wenn schulische Probleme auftauchen, müsste er die Familien
aufsuchen, um mit den Eltern konkret über Hilfsmaßnahmen zu beraten und sie unterstützen
diese Maßnahmen auch umzusetzen.
Den Lehrern sollten längere Weiterbildungen (zwei bis drei Monate)
angeboten werden, vor allem im Umgang mit schwierigen Schülern, egal ob es um
Lernschwierigkeiten oder Disziplinprobleme geht. Die Lehrer müssten Gelegenheit
haben zwei- oder dreimonatige Praktika zu machen und dies ohne Lohneinbußen. In
dieser Zeit sollten sie durch Lehrer der deutschsprachigen Gemeinschaft
vertreten werden. Die deutschsprachige Gemeinschaft könnte für diese Fälle
„Springer“ einsetzen, d.h. 4-5 Lehrpersonen (±0,2 % der gesamten Lehrerschaft
der D.G.), die diese Lehrer in Weiterbildung ersetzen.
Die nachschulische Betreuung, die
mancherorts schon stattfindet, sollte generell eingeführt werden, und zwar in
Form einer Aufgabenschule. Hier sollte den Kindern, deren Eltern keine Zeit
haben oder selbst schulische Schwierigkeiten hatten, die Gelegenheit geboten
werden unter Anleitung und Kontrolle ihre Hausaufgaben zu machen. Zueiner Beteiligung der Unkosten könnte man die
Eltern verpflichten.
Der Französischunterricht in den
Volksschulen sollte nur von speziell dafür ausgebildeten und motivierten
Lehrern gegeben werden, um zu vermeiden, dass Kinder schon sehr früh die Lust
an der Sprache verlieren. Der Klassenlehrer sollte die Französischstunden also
nicht erteilen, es sei denn, er hätte ein Zusatzstudium als Französischlehrer
absolviert (z.B. in Form eines Zusatzjahres und nicht integriert im normalen
Studium). Ideal wären hier perfekt zweisprachige Lehrer.
In der jetzigen Situation ist im
Sekundarunterricht eine Abschaffung der B-Klassen nicht wünschenswert. Die
Kluft zwischen guten und weniger guten Schülern wird mit zunehmendem Alter
immer größer. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass man den weniger guten
Schülern gezielt hilft. Hier ist es unbedingt angebracht kleine Klassen zu
organisieren, die von hochmotivierten und gut ausgebildeten Lehrern betreut
werden. Hier wären in den Schulen, die große B-Klassen und Teilzeitzentren
organisieren, auch eine oder zwei Lehrpersonen nötig, die sich mit
verhaltensgestörten Jugendlichen befassen und regelmäßig an gezielten
Weiterbildungen teilnehmen.
Auch wenn junge Lehrpersonen
hochmotiviert in ihren Beruf einsteigen, so fehlt ihnen doch die nötige
pädagogische Erfahrung. Deshalb sollte man ihnen einen „Paten“ zur Seite
stellen, den sie in allen Fragen zu Rate ziehen können. Diese Paten sollten
ältere Lehrpersonen sein, von denen man weiß, dass sie kompetent und motiviert
sind, noch keine Verschleißerscheinungen zeigen und die junge Kollegen nicht
nur kritisieren, sondern sie konstruktiv anleiten. Gemeinsame
Unterrichtsstunden, in denen der Jüngere vom Älteren lernen kann und der Ältere
dem Jüngeren praktische Ratschläge erteilt, wären ideal.
Außerdem wäre eine Anlaufstelle
für Lehrpersonen, die vorübergehend ein moralisches Tief durchleben
(Demotivation, Burnout, Probleme mit Schülern, Kollegen, Schulleiter),
vonnöten. Jeder Lehrer erfährt in seiner Karrierehin und wieder einmal eine Periode der Unlust
oder des Frustes, aber bislanggibt es nirgendwo
eine Anlaufstelle, die solchen Lehrpersonen gezielte Hilfe anbietet.
Abschließend möchte ich noch auf
zwei Gegebenheiten hinweisen, die mir aufgefallen sind und die auf jeden Fall
einer näheren Untersuchung bedürfen.
Ist die Tatsache, dass drei Viertel
der Kinder mit Verhaltensstörungen und Lernschwierigkeiten Jungen sind, auch
darauf zurückzuführen, dass ihnen das männliche Leitbild fehlt? Zuhause ist es
vorwiegend die Mutter, die sich um die Kinder kümmert und in der Volksschule
sind es vor allem Lehrerinnen. Auch in den Sekundarschulen gibt es immer mehr
Lehrerinnen als Lehrer. Nirgendwo haben sie ein männliches Vorbild, an dem sie
sich orientieren können.
Viele Kleinkinder können nicht
nach ihrem natürlichem Rhythmus leben, da beide Eltern berufstätig sind.
Morgens werden sie aus dem Schlaf gerissen, weil sie zur Tagesmutter oder zur
Kinderkrippe müssen. Es wäre bestimmt interessant zu erfahren, wie viel Kinder
mit schulischenProblemen diese
Kleinkindzeit so erlebt haben. Wäre es hier nicht angebracht, jungen Familien
eine angemessene finanzielle Unterstützung zu geben, damit ein Elternteil
wenigstens die zwei ersten Jahre zu Hause bleiben kann?
Den wichtigsten Punkt sollten wir
bei all diesen Überlegungen nicht vergessen: Allen Schülern, denen auf
irgendeine Art und Weise helfen, einen Studienabschluss zu erlangen, einen
Beruf zu erlernen oder eine solide Basis zu erreichen, sind in ihrem spätern
Leben dann weniger auf Sozialhilfe oder Arbeitslosenunterstützung angewiesen.
Wenn dann im Haushaltsposten „Unterricht“ gnadenlos gekürzt und eingespart wird
und somit die Ausbildungsmöglichkeiten vernachlässigt werden, so können wir
unser Ziel, nämlich eine gute Schulbildung und Vorbereitung auf das
Berufsleben, nicht mehr garantieren. Diese sogenannte Geldersparnis im
Unterrichtswesen wird später auf einen anderen Haushaltsposten zurückfallen,
und zwar massiv. Auch wenn das zwei getrennte Haushaltsposten sind, beide
werden doch von Steuergeldern finanziert.
Zum
Vortrag zur Pubertät vom 4. Dezember 2007 können sie hier die Präsentation downloaden.
>> hier