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Das Ehrenamt an BS und TI
 

Predigt von Bischof Aloys Jousten zum Jubiläum der BS

Liebe Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Freunde der Bischöflichen Schule,
liebe Schwestern und Brüder,

eine allerseits bekannte und bewährte Schule feiert ihren 75. Geburtstag. Ein Stück, ein bedeutsames Stück meiner Lebensgeschichte hat darin seinen Platz. Mit allen, die mit der Bischöflichen Schule irgendwie verbunden sind, will ich heute Gott danken, ihm, dem Spender alles Guten. Die Feiern zu diesem Jubiläum sind in vollem Gange, und vor allem die Ausstellung im Rathaus hat die Wirkungskraft der Schule deutlich aufgezeigt. Von der Eifel geprägt hat die Bischöfliche Schule Land und Leute in der Eifel geprägt; sie hat Spuren hinterlassen im Laufe ihres bisherigen Bestehens. Viele Schüler, Lehrer und Eltern sind Zeugen dieses Segens.

Die Auszüge aus der Heiligen Schrift, die soeben vorgetragen und verkündet wurden, lassen uns das Wirken der nun 75 Jahre alten Schule noch mit anderen Augen sehen und deuten.

Dreifaltigkeit – Geheimformel des Lebens
Wir feiern heute die heiligste Dreifaltigkeit. Typisches Fest für eine Schule, denken vielleicht einige. Kopfzerbrechen, schwieriges Thema, unlösbare Aufgabe, Geheimnis - all das mag uns durch den Kopf gehen, wenn wir hören, Gott sei einer in drei Personen. In der Tat ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit das tiefste Geheimnis unseres Glaubens. Aber es ist dennoch nicht wie ein Problem, das man eventuell eines Tages lösen wird. Die Dreifaltigkeit ist ein Geheimnis ganz anderer Art. Ich habe einmal gelesen, die Dreifaltigkeit Gottes sei eine Geheimformel des Lebens: „Ohne das Geheimnis der Dreifaltigkeit lässt sich nichts verstehen, mit diesem Geheimnis lässt sich aber alles verstehen.“ (Dieter Hattrup) Das Geheimnis Gottes ist die Liebe. Liebe freut sich über den anderen. Falls es keinen anderen gibt, gibt es keine Liebe. Wenn Gott allein wäre, zu wem sollte er da sagen: Gut, dass du da bist? Gott selbst ist drei. In ihm ist Hingabe und Wiederfinden; in ihm ist Liebe; er ist die Liebe.
Die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter zeigt uns einen lebendigen Gott, einen Gott, der die Weisheit schafft. Wörtlich sagt die Weisheit: Der Herr hat mich geschaffen am Anfang seiner Wege. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein. Die Weisheit ist wie ein Gegenüber Gottes. In ihr könnten wir den Sohn und auch den Heiligen Geist sehen. Auf jeden Fall ist Gott voller Leben, voller Gefühle, kein Eigenbrötler, kein einsamer oder trauriger Gott. 

Gott ist Liebe
Dass Gott Liebe ist, das ist das Schönste, was wir über Gott wissen; denn jeder Mensch sehnt sich danach, zu lieben und geliebt zu werden. Zwischen den drei göttlichen Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist, vollzieht sich, was jede echte Liebesbeziehung kennzeichnet: geben, empfangen, zurückgeben. Gottes Liebe ist der Anfang, der Ausgangspunkt aller Liebe. In ihm findet alle Liebe ihren Ursprung.
Von Weihnachten bis Pfingsten feiern wir jedes Jahr, wie Gott uns seine Liebe ganz konkret erfahren lässt, wie er uns liebt. Er sendet seinen Sohn und den Heiligen Geist, um uns seine Liebe zu schenken; und er weckt in uns das Verlangen, die Sehnsucht, den Wunsch, seine Liebe zu beantworten durch Gegenliebe.
Gott hat uns Menschen nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Wir sind zum Lieben und Geliebtwerden geschaffen. Gott träumt also von Menschen, die sich von der Liebe getragen wissen und die selbst Liebe verschenken. Das ist ebenfalls die tiefe Sehnsucht jedes Menschen: geliebt werden und lieben.

Junge Menschen und Dreifaltigkeit
Das Geheimnis des dreifaltigen Gottes lässt uns aber noch mehr über die wahre Liebe erkennen und erfahren. Vor einiger Zeit habe ich einen Jugendpsychiater aus Neu-Löwen sagen hören, seine Studenten würden still und aufmerksam zuhören, wenn er von der Dreifaltigkeit spreche. Wörtlich sagte er: „Wir müssen den Jugendlichen vom dreifaltigen Gott reden. Das ist absolut großartig. Das ist die schönste Bereicherung für den Menschen.“ Ich gebe gerne zu, dass ich verdutzt war und hellhörig geworden bin. Was hat der Psychiater festgestellt und damit sagen wollen?
Erfahrung und Beobachtung lassen uns erkennen, dass Egoismus nicht nur den einzelnen Menschen bedroht, sondern ebenfalls die Zweierbeziehung. Es gibt nämlich den Egoismus zu zweit. Erst der Dritte im Bunde lässt den Menschen über sich hinauswachsen. Das dürfen wir sogar von Gott denken und sagen. In Gott gilt nicht nur Ich, nicht nur Ich-Du, sondern Ich-Du-Er. Echte Liebe ist sich verströmende Liebe, sie geht über die zwei sich Liebenden hinaus. Die Liebe zwischen Vater und Sohn verströmt sich im Geist.
Könnte es sein, dass junge Menschen ein Gespür haben für eine solche Liebe, auch zwischen Menschen? Dass sie sehr gut erkennen, wie sie nur in echten Beziehungen zum eigentlich reifen Ich wachsen? Dass jedoch eine geschlossene Zweierbeziehung diesen Reifungsprozess gefährdet? Dass Offenheit zu Dritten erst die wahre Größe und Reife eines Menschen ausmacht? Denken wir z.B. an die Loslösung des heranwachsenden Kindes von den Eltern oder an das Loslassen des Kindes durch die Eltern.

Ge-heim-nis
Liebe Schwestern und Brüder! Die heiligste Dreifaltigkeit ist und bleibt das große Geheimnis unseres Glaubens. Dabei bedeutet das Wort Geheimnis in meinen Augen noch viel mehr als nur unbegreiflich oder unerklärlich. Geheimnis enthält das Wort „Heim“; das weist hin auf Daheim, auf Zuhause, auf Heimat z.B. Die Dreifaltigkeit ist ein Haus, ein Heim unerschöpflicher Liebe; sie gibt uns Menschen Lebenssinn und Lebensglück.
Ist der Glaube an den dreifaltigen Gott somit nicht bedeutungsvoll für eine Gemeinschaft von Menschen, für eine Schule? Familie, Schule, Gemeinschaften wollen ein Haus des Lebens sein. Insbesondere Schule soll und will neben Familie ein Leben spendendes, ein Leben förderndes Haus sein.
Liebe Eltern, Lehrpersonen und Erzieher! Ihre schönste Aufgabe besteht wohl darin, die Kinder und Jugendlichen mit diesem Haus und mit dem Leben vertraut zu machen, ihnen Geborgenheit zu schenken. Behutsam werden Sie versuchen, junge Menschen echte Liebe erfahren zu lassen und sie zum Geheimnis echter Liebe hinzuführen, damit sie ihr Menschsein nach dem Bild und Gleichnis Gottes verwirklichen. Gott traut uns nämlich zu, dass wir lieben lernen, wie er uns liebt.

Was erwartet Gott von uns?
Liebe Schwestern und Brüder! Gott ist die Liebe. Nicht nur in sich selbst. Er schenkt uns seine Liebe. Der Heilige Geist ist Gottes Liebe, die sich uns hier und heute verschenkt. Gottes Geist ist ausgegossen in unsere Herzen, sagt der heilige Paulus. Gott lädt uns zu einer Liebesbeziehung mit ihm ein. Er wünscht, dass wir ihn lieben, nicht aus Zwang, sondern im Rhythmus der Liebe: geben - empfangen - zurückgeben. Gott will aber, dass das Verhältnis zwischen ihm und uns, zwischen uns und ihm echt sei, wahre Liebe sei. Deshalb sagt er uns: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagt am Ende seines Lebens: Liebet einander, wie ich euch geliebt habe. Er sagt nicht: Liebt mich, wie ich euch geliebt habe. Liebe zwischen Gott und den Menschen ist kein Egoismus zu zweit, sondern Offenheit für den Dritten, zum gemeinsamen Wir. Wenn Gott mit im Bunde ist, wird unter uns Menschen Einheit in der Verschiedenheit möglich. Jeder vermag den anderen anzuerkennen und in seinem Anderssein eine Bereicherung zu sehen und keine Bedrohung.

Der Geist der Wahrheit
Ich wünsche der Bischöflichen Schule und damit jeder Schule, den Familien und Gruppen, die sich in Gott verwurzelt und auf Gott bezogen wissen, dass der Geist der Wahrheit sie stets mehr und immer wieder in die ganze Wahrheit des Leben spendenden Gottes führt. Es ist in unseren Tagen wichtig, ja lebenswichtig, wenn nicht gar überlebenswichtig, dass junge Menschen erfahren, dass sie um ihrer selbst willen geliebt werden, dass sie hören und spüren: Gut, dass du da bist.

Liebe Schwestern und Brüder! Der Gott, dessen Gesicht in Jesus aufleuchtet, ist ein Gott der Liebe und des Lebens. Sein Geist wohnt in uns, wirkt in unseren mitmenschlichen Beziehungen. Er lässt uns teilhaben an seiner Lebensfülle, jetzt in dieser Eucharistiefeier auf eine besondere Weise.

Schule und Pfarre
Ich möchte hier in der St. Vither Pfarrkirche noch kurz einen anderen Punkt anschneiden. Schulen und Pfarren sind einander nicht immer so nahe wie in dieser Stunde. Sollte aber nicht jeder Christ und jede Christengemeinde sich dessen mehr bewusst sein, was Gottes Geist in den Schulen - nicht nur in den katholischen - bewirken und in Bewegung setzen kann? Ich finde es deshalb sehr sinnvoll, dass die Messfeier zum 75jährigen Jubiläum der Bischöflichen Schule hier in der Pfarrkirche stattfindet. Andererseits wünsche ich genauso, dass insbesondere die Erwachsenen in den Schulen mit offenen Ohren und Augen wahrnehmen, was in den anderen Lebensorten und Lebenswelten geschieht, wie man auch dort bemüht ist, Menschen auf der Suche nach Lebensinhalt und Lebenssinn weiterzuhelfen. Es ist gut zu wissen und anzuerkennen, dass an vielen Orten viele einfache Leute einfache Dinge tun und dass im Grunde alle ein gemeinsames Ziel haben: das Leben aller als menschenwürdiges Leben zu gestalten.  

Leben in Fülle
Liebe Schwestern und Brüder! 75 Jahre Bischöfliche Schule. Grund zum Feiern und Danken, Grund zum zuversichtlichen Ausblick, denn Gott will das Glück der Menschen. Jesus hat es einmal sehr schön und deutlich gesagt: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben (Joh 10,10).Ich wünsche und bete, dass unsere Schulen und unsere sonstigen Einrichtungen, unsere Pfarrverbände, unsere Vereine und Gruppen Häuser oder Orte dieses Lebens in Fülle sind, bleiben oder werden. Amen.


                                        + Aloys Jousten
                                        Bischof von Lüttich

 
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